Nicht alles präzise. Nur das, was funktional kritisch ist.
Nachbearbeitung ist normaler Teil der A-MIM-Prozesskette – aber kein Freifahrtschein. Der Hebel entsteht nur, wenn das Rohteil die Komplexität trägt und Nacharbeit lokal bleibt.
Typisch kritische Bereiche
Diese Flächen und Merkmale brauchen häufig gezielte Nachbearbeitung:
Bohrungen
Nachreiben oder Bohren auf Maß
Sintertoleranz reicht für Passung meist nicht aus
Gewinde
Nachschneiden nach dem Sintern
Gewindeschneiden ins gesinterte Teil – Standard in der Prozesskette
Dichtflächen
Planheit und Rauheit definieren
Sinteroberflächenrauheit für Dichtsitze oft zu hoch
Passflächen
Toleranzlage nach DIN/ISO
Lokal fräsen oder schleifen auf Sollmaß
Referenzflächen
Lagerung, Ausrichtung, Montage
Definierte Auflageflächen für Einbaulage
Funktionskritische Konturen
Lokal, bauteilspezifisch
Was die Funktion verlangt – nicht was der Standard vorschreibt
Wo das Rohteil oft ausreicht
Nicht jede Fläche muss bearbeitet werden. Weite Teile eines gut ausgelegten A-MIM-Rohteils können im Sinterzustand bleiben:
Geometrisch unkritische Außenbereiche – Form stimmt, Toleranz spielt keine Rolle
Nicht funktionale Nebenflächen – Sichtflächen ohne Kontakt oder Dichtfunktion
Integrierte Komplexität – interne Kanäle, Hohlräume, Rippen, die keine Passung brauchen
Großflächige Konturen – wenn Maßhaltigkeit im Sinterrahmen ausreicht
Wann Nachbearbeitung sinnvoll wird
1
Funktion braucht lokal Präzision
Wenn eine Fläche eine definierte Toleranz braucht, die das Sintern nicht liefert.
2
Dichtheit gefordert
Dichtsitze für Ringe, Flansche oder Verschraubungen – Rauheit und Planheit nachbearbeiten.
3
Passung oder Referenz nötig
Bohrungen, Lagersitze, Führungen – auf Maß bringen, wenn das Teil eingebaut werden muss.
4
Oberfläche funktional relevant
Reibung, Verschleiß, optische Anforderungen – lokal polieren, schleifen oder strahlen.
Wirtschaftliche Grundlogik
Rohteil trägt Komplexität → Nacharbeit bleibt lokal → das ist der eigentliche Hebel.
Wenn das Rohteil viel leistet und nur wenige Flächen präzise nachbearbeitet werden müssen, ist A-MIM wirtschaftlich stark. Wenn nahezu alle Flächen bearbeitet werden müssen, verschwindet der Vorteil.
Nachbearbeitung ist kein Fehler der Prozesskette. Sie ist eingeplant und sinnvoll – aber immer lokal, nie flächendeckend.
Wie das in der Praxis aussieht – konkrete Fälle mit heutiger Lösung, Problem, A-MIM-Logik und Ergebnis.