Nicht nur thermisch – sondern konstruktiv. Was beim Sintern mit dem Bauteil passiert, entscheidet darüber, ob eine Geometrie funktioniert oder nicht.
Was beim Sintern passiert
Schrumpfung
15 – 20 %
Linear in alle Richtungen – vorhersagbar, aber gleichmäßig nötig
Weichwerden
Temporär
Das Bauteil verliert im Ofen kurzzeitig seine Formstabilität
Formänderung
Risiko bei ungünstiger Geometrie
Durchhängen, Kippen, Verzug – wenn Geometrie es zulässt
Verdichtung
Partikel verschmelzen
Ergebnis: vollwertiges Metallteil mit MIM-ähnlichen Eigenschaften
Warum Weichwerden konstruktiv relevant ist
Das Bauteil ist beim Sintern nicht mehr starr. Es liegt auf seiner Unterlage und trägt sich selbst – unter erhöhter Temperatur und mit signifikanter Schrumpfung. Was in diesem Zustand nicht stabil ist, verformt sich.
Das bedeutet: Nicht nur was das CAD-Modell zeigt zählt, sondern was das Bauteil im Ofen, auf seinem Setter, bei 1200–1400 °C übersteht.
Welche Geometrien kritisch werden können
Große freiliegende Flächen ohne Abstützung – hängen durch, wenn sie nicht aufliegen
Filigrane Bereiche – dünne Stege, schmale Rippen, lange Auskragungen
Starke Massenunterschiede – massiver Bereich neben dünner Wand führt zu inhomogener Schrumpfung
Ungünstige Aufbausituation – wenn das Teil auf einer kleinen Fläche aufliegt und sich seitlich verlagern kann
Setter und definierte Auflage
Setter sind formgebende Unterlagen im Sinterofen. Sie stützen das Bauteil in der kritischen Phase, verhindern Durchhängen und sichern Formtreue. Die Settergeometrie ist kein Randthema – sie ist Teil der Prozesskette.