ClickToFit
ClickToFit
Fertigung · Fakten · Prozessketten
Seite: Praxisbeispiele

Praxisbeispiele: vom Bauteil zum Fertigungsansatz.

Wire-based DED wird greifbar, wenn man konkrete Bauteile betrachtet: Ausgangsproblem, klassische Lösung, additiver Ansatz und offene Prüfpunkte.

Die Beispiele zeigen nicht nur, was möglich ist. Sie zeigen, worauf geachtet werden muss: Geometrie, Zugänglichkeit, Aufbaustrategie, Aufmaß, Nachbearbeitung und wirtschaftlicher Nutzen.

Bild 1 — Beispielübersicht
Mehrere Beispielbauteile als technische Kacheln:
Strukturteil, Reparaturfall, Werkzeugkante,
Hybridbauteil, Ersatzteil.
Bild 1: Übersicht der Praxisbeispiele — Strukturteil, Reparatur, Werkzeug, Hybridbauteil und Ersatzteil als technische Kacheln.
Beispiel 1

Beschädigte Funktionsfläche statt komplettes Bauteil ersetzen.

Ausgangslage

Ein teures Bauteil ist grundsätzlich intakt, aber eine Dichtfläche, Lagerzone oder Kante ist beschädigt.

DED-Ansatz

Material wird lokal aufgetragen und anschließend auf Endmaß bearbeitet.

Prüfpunkte

  • Ist die Schadstelle zugänglich?
  • Ist genug Materialanbindung möglich?
  • Kann die Fläche nachbearbeitet werden?
  • Verzieht sich der Grundkörper durch Wärmeeintrag?
Bild 2 — Reparatur in drei Schritten
Links: beschädigte Fläche.
Mitte: aufgetragene Reparaturzone.
Rechts: fertig bearbeitete Funktionsfläche.
Bild 2: Lokale Reparatur — Schaden, Materialauftrag und fertig bearbeitete Funktionsfläche.
Beispiel 2

Mehr Steifigkeit ohne komplettes Bauteil massiver zu machen.

Ausgangslage

Ein vorhandener Grundkörper benötigt lokal mehr Steifigkeit oder eine bessere Krafteinleitung.

DED-Ansatz

Eine Rippe oder Verstärkungszone wird gezielt aufgetragen.

Prüfpunkte

  • Ist die Auftragzone erreichbar?
  • Ist die Rippe groß genug für den Prozess?
  • Entsteht ein kritischer Wärmeknoten?
  • Muss die Rippe anschließend bearbeitet werden?
Bild 3 — Verstärkungsrippe
Grundkörper mit additiv aufgebauter Rippe.
Belastungsrichtung und Verstärkungszone sind markiert.
Bild 3: Grundkörper mit additiv aufgebauter Verstärkungsrippe — Belastungsrichtung und Verstärkungszone markiert.
Beispiel 3

Verschleißzone erneuern statt Werkzeug ersetzen.

Ausgangslage

Ein Werkzeug oder Formeinsatz ist an einer Kante oder Kontaktfläche verschlissen.

DED-Ansatz

Die Verschleißzone wird lokal aufgebaut, danach auf Zielkontur bearbeitet.

Prüfpunkte

  • Ist die Kante thermisch stabil aufbaubar?
  • Passt der Werkstoff zur Grundstruktur?
  • Ist genug Aufmaß vorhanden?
  • Kann die Endkontur sicher erzeugt werden?
Bild 4 — Werkzeugkante
Verschleißbereich, aufgetragene Rohzone
und final gefräste Kontur.
Bild 4: Werkzeugkante — Verschleißbereich, aufgetragene Rohzone und final gefräste Zielkontur.
Beispiel 4

Wenn das Original nicht mehr wirtschaftlich verfügbar ist.

Ausgangslage

Ein Ersatzteil ist abgekündigt, hat lange Lieferzeit oder wäre klassisch nur mit hohem Aufwand herstellbar.

DED-Ansatz

Ein vereinfachter Rohkörper wird additiv oder hybrid aufgebaut und anschließend fertig bearbeitet.

Prüfpunkte

  • Welche Bereiche müssen wirklich aufgebaut werden?
  • Welche Details entstehen besser durch Nachbearbeitung?
  • Gibt es geeignete Referenz- und Spannflächen?
  • Ist die Werkstoffanforderung realistisch?
Bild 5 — Ersatzteil
Links: altes Originalteil.
Mitte: vereinfachter Near-Net-Shape-Rohkörper.
Rechts: fertig bearbeitetes Ersatzteil.
Bild 5: Vom Originalteil über den Rohkörper zum fertig bearbeiteten Ersatzteil.
Beispiel 5

Klassischer Grundkörper. Additive Wertzone.

Ausgangslage

Ein Bauteil besitzt eine einfache Grundform, aber eine lokal komplexe oder belastete Funktionszone.

DED-Ansatz

Der Grundkörper wird konventionell hergestellt. Nur die wertschöpfende Zone wird additiv ergänzt.

Prüfpunkte

  • Ist der Grundkörper als Träger geeignet?
  • Ist der Materialauftrag lokal sinnvoll?
  • Reduziert der Ansatz Schweißnähte, Rohmaterial oder Lieferzeit?
  • Ist die spätere Bearbeitung gesichert?
Bild 6 — Hybridbauteil
Links: Grundkörper mit lokal aufgetragener Funktionszone.
Rechts: fertiges Hybridbauteil.
Bild 6: Vom Grundkörper mit additiver Funktionszone zum fertigen Hybridbauteil.
Beispiel 6

Großes Volumen ohne massiven Rohblock.

Ausgangslage

Ein großes Strukturbauteil würde aus dem Vollen sehr viel Materialverlust erzeugen oder als Guss lange Vorlaufzeit benötigen.

DED-Ansatz

Ein grober Near-Net-Shape-Rohkörper oder einzelne Strukturzonen werden drahtbasiert aufgebaut.

Prüfpunkte

  • Ist die Bauteilgröße prozess- und maschinengerecht?
  • Sind Wärmeeintrag und Verzug beherrschbar?
  • Sind kritische Flächen nachbearbeitbar?
  • Ist der Materialauftrag wirtschaftlich gegenüber Guss, Fräsen oder Schweißen?
Bild 7 — Große Struktur
Großes Strukturbauteil mit aufgebauten Volumenbereichen,
thermischer Heatmap und sichtbarer Nachbearbeitungszone.
Bild 7: Großes Strukturbauteil — aufgebaute Volumenbereiche mit Heatmap und Nachbearbeitungszonen.

Gute Praxisbeispiele haben immer denselben Kern.

Ein sinnvoller Use Case entsteht selten aus der Frage, ob ein Bauteil „druckbar" ist. Entscheidend ist, ob lokaler Materialauftrag ein reales Fertigungsproblem löst.

Bild 8 — Vergleichsmatrix
Beispieltypen: Reparatur, Verstärkung, Ersatzteil,
Hybridbauteil, Großstruktur. Pro Typ sind Nutzen
und Hauptprüfpunkte kurz markiert.
Bild 8: Vergleichsmatrix der Beispieltypen — Nutzen und Hauptprüfpunkte pro Anwendungsfall.

Erkennst du dein Bauteil wieder?

Die Praxisbeispiele zeigen typische Einstiegspunkte. Der nächste Schritt ist, ein konkretes Bauteil zu betrachten: zuerst mit bereitgestellten Beispieldaten, danach mit eigenen Geometriedaten.